«Häsch gwüsst?»: Nudges in Zürich

«Nudges» helfen uns im Alltag dabei, nachhaltigere, gesündere und klimafreundlichere Entscheidungen zu treffen. Wo mir diese «Anstupser» auf dem Nachhauseweg überall begegnen.

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Hand auf Herz: Wartest du manchmal auch auf den Aufzug, obwohl die Treppe dich viel eher ans Ziel bringen würde? Ignorierst du die Warnungen und haarsträubenden Bilder auf den Zigarettenschachteln auch gekonnt? Diese unbemerkte Massnahme, dass der Lift an manchen Bahnhöfen langsam und auf dem Zigipäckli dieses abschreckende Bild ist, nennt man «Nudging». Das Wort kommt aus dem Englischen und heisst «stupsen». Nudges sollen uns dazu animieren, nachhaltiger einzukaufen und gesünder oder klimafreundlicher zu leben. Kurz: Uns zu besseren Menschen machen. Sandro Ambuehl lehrt am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich. In seinen Vorlesungen über Verhaltensökonomie spricht er über Nudges. «Zuverlässige Anhaltspunkte dafür, was ein Nudge ist und was nicht, sind schwierig zu finden», sagt der 37-Jährige. Ein Grenzfall sei das Beispiel mit dem Zigipäckli. Denn: «Nudges sollen keine Kosten verursachen – weder finanzielle noch psychologische. Letzteres ist jedoch bei den Warnungen der Fall», meint Ambuehl.

Ein klassischer Nudge sei beispielsweise, dass Früchte in Cafeterias und Einkaufsläden häufig beim Eingang platziert werden. Und tatsächlich: Die beiden Einkaufsläden Alnatura und Migros im Hauptbahnhof platzieren Früchte und Gemüse gleich beim Eingang. Schräg vis à vis befindet sich der Kiosk. Vor dem Laden befinden sich die rot-gelben Bodenmarkierungen vom BAG, die mir zeigen, dass ich warten und Abstand halten soll. Auch das, ein weiterer Nudge.

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«Wichtig für Nudges ist, dass man sich frei für oder gegen etwas entscheiden kann», erläutert der Dozent. Im Spettacolo nebenan kann Kaffee in einem Mehrwegbecher bezogen werden. Diesen kann ich nach Gebrauch in einer Drop-off Box am Bahnhof, gleich neben den SBB-Abfalleimer, retournieren. Ein Anstupser, der uns zu einem nachhaltigeren Verhalten bewegen soll. Als ich den Hauptbahnhof verlasse und in Richtung Sihlpost-Haltestelle laufe, frage ich mich, ob uns Nudges vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben. «Nudges versuchen das Verhalten der Menschen zu verändern, ohne ihre Entscheidungsfreiheit einzuschränken, also insbesondere auch, ohne ihnen Vorschriften zu machen», antwortet Ambuehl auf die Frage.

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Während ich an der Tramhaltestelle warte, schweift mein Blick über einen Abfallkübel mit einem abgeschrägten Dach. Ambuehl meint: «Diese sogenannten Haifischkübel sind ebenfalls Nudges, da wir den Abfall, wenn der Eimer voll ist, nicht einfach oben drauflegen können. Wir müssen uns aktiv einen anderen, weniger vollen Abfallkübel suchen.» Während ich ins Tram einsteige, laufe ich über einen Kleber am Boden. Darauf steht: «Willkommen. Hier kannst du dein Handy ohne Risiko nutzen.» Und wenn man das Tram wieder verlassen möchte: «Die Welt wartet auf dich. Geniess dein Leben und lass dein Handy in der Tasche!» Der Dozent ist sich unsicher, ob auch das ein Nudge ist. Denn eine weitere typische Charakteristika für Nudges: Ihre Wirksamkeit muss nachgewiesen sein. So oder so: Die Aufschrift auf dem Kleber hat seine Funktion bei mir erreicht (nachdem ich das Foto gemacht habe).

Welche Nudges sind dir in Zürich begegnet? Und über welches Zürcher Phänomen wolltest du schon immer mehr wissen? Schreib deinen Input oder deine Frage direkt an Céline.

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Das mache ich bei Tsüri:

Schreiben und Inputs für spannende Geschichten bringen.

Das mache ich ausserhalb von Tsüri:

Neben dem Studium arbeite ich als freischaffende Journalistin. Ansonsten: Aperöle, fremde Hunde streicheln und tonnenweise Kino-Popcorn essen.

Über diese Themen schreibe ich am liebsten:

Gesellschaftskritische Themen und Menschen mit einer beeindruckenden Persönlichkeit.

Darum bin ich gerne Journalistin:

Weil ich unbekannte Orte, spannende Menschen und kontroverse Diskussionen erleben darf. Weil ich so viele Fragen stellen kann, wie ich möchte. Weil ich des Öfteren meine Komfortzone verlasse. Weil es meine Leidenschaft ist.

Das mag ich an Zürich am meisten:

Jung und multikulti, Techno und Sommerabende am See.

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